Gegenstand der Rhetorik (griechisch ῥητορική [τέχνη] rhetorikè (téchne) „die Redekunst“) war in der Antike im allgemeinen Sinne die Kunst der (freien, öffentlichen) Rede, nach Aristoteles eingeteilt in Pathos, Ethos und Logos. Aufgabe der Rhetorik als einer „Kunst der Überredung“ war es, die Möglichkeiten zu erforschen und die Mittel bereitzustellen, die nötig sind, um eine Gemeinsamkeit zwischen Redner und Zuhörern herzustellen (Identifikation), auf deren Basis es ermöglicht wird, eine subjektive Überzeugung allgemein zu machen (Persuasion).
Dieses Anliegen ergab sich aus einer bestimmten, mit der antiken Rhetorik verbundenen Weltanschauung, die davon ausging, dass „Wahrheit“ als solche nicht erkennbar sei, sondern sozusagen im Dialog gemeinsam erarbeitet werden müsse. Redner und Gegenredner übernehmen diese Aufgabe, indem sie nach denjenigen Darstellungsmöglichkeiten suchen, die am ehesten zu überzeugen vermögen. Dabei spielte auch die Ansicht eine große Rolle, dass man sich nicht auf die Vernunft alleine verlassen könne, weil der Mensch ein triebhaftes Wesen habe. Vor allem gegen diese Vorstellung wandte sich später die Aufklärung, durch deren Erfolg die Rhetorik zunehmend aus dem Alltag, den Wissenschaften und dem Denken verdrängt wurde. Daher kommt es, dass heute die Rhetorik meist nur noch als eine Technik der Rede und der Textanalyse bzw. als Theorie und Praxis der Rede und des Gesprächs verstanden wird. Wissenschaftliche Arbeiten zur Rhetorik beschäftigen sich - vor allem seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts - überwiegend mit dem Gespräch sowie mit Fragen der Rede- und Gesprächspädagogik; die Forschungen kommen aus unterschiedlichen Wissensgebieten: der Sprechwissenschaft, der Linguistik, der Psychologie, der Pädagogik, der Soziologie u.a.
Dass der Gebrauch des Begriffes "Rhetorik" heute in so unterschiedlichen Kontexten und Bedeutungen erfolgt, hat mit ihren zwei wesentlichen Dimensionen zu tun: Einerseits ist sie Praxis, andererseits ist sie Theorie. Rhetorik war immer Kunstlehre und Kunstübung zugleich. Bis ins 17. Jahrhundert erfolgte eine Differenzierung zum einen in die 'rhetorica' oder 'rhetorica docens' als Bezeichnung für die Theorie ('Redekunst'), zum anderen in die 'oratoria', 'eloquentia' oder 'rhetorica utens' für die Praxis ('Beredsamkeit'). Heute bemüht sich die Wissenschaft um eine terminologische Unterscheidung in 'Allgemeine Rhetorik' (für die Theorie) und 'Angewandte Rhetorik' (für die Praxis). Rhetorik-Trainer und Ratgeber-Autoren ignorieren dies allerdings weitgehend. Insofern ist das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Praxis hierzulande stark gekennzeichnet durch gegenseitige Arroganz und Ignoranz.
Unter "Angewandte Rhetorik" kann man die Disziplin der praktischen Rede verstehen. Dabei macht jemand bewusst oder unbewusst Gebrauch von den Regeln und Techniken, die im historisch entstandenen System der "Allgemeinen Rhetorik" formuliert sind. Als konkrete Anleitung zur verbalen wie schriftlichen Kommunikation umfasst sie Ausbildung und Übung des wirkungsorientierten Sprechens, Verhaltens und Schreibens. Erkenntnisse der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung fließen dabei heute ebenso ein wie Erkenntnisse der Psychologie und Linguistik (Sprachlehre). Die Angewandte Rhetorik bezieht sich vor allem auf die Redepraxis in der Wirtschaft, in der Politik und vor Gericht; doch sind auch das therapeutische Gespräch oder die private Kontroverse von ihr geprägt. Da sie sich nicht nur auf den Monolog, sondern ebenso auf den Dialog bezieht, beschäftigt sie sich ebenso mit Dialektik (im sokratischen Sinne) und wird gelegentlich auch als 'Gesprächsrhetorik' (siehe Sprecherziehung) bezeichnet.
Quelle: www.wikipedia.de
Autoren: FlaBot, Herr Andrax, Leogfischer, Fb78, Philipendula u.a.
Dieser Eintrag unterliegt der
GNU Lizenz für freie Dokumentation (GFDL). Hier finden Sie die Lizenzbestimmung.