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Wie Vorschüler Selbstkontrolle lernen 02.01.2008
  In die Zeit der Aufregung um die PIRLS- und PISA-Studie fällt eine Untersuchung kanadischer Pädagogen, die sich dem Vorschulbereich gewidmet hat. Sie zeigt, wie die gezielte Förderung von Selbstkontrolle und Aufmerksamkeitsvermögen ber

 

Selbstregulation ist der Schlüsselfaktor für den schulischen Erfolg in späteren Jahren.

Kurioserweise stützt sich die Forschergruppe um die Neuropychologin Adele Diamond von der University of British Columbia auf die Arbeiten von Lew Wygotski. Der Russe galt in den 1920er Jahren als Mitbegründer der marxistischen Psychologie. (...)

"Exekutive Funktionen (EF)" des Gehirns sind es, die für den späteren Erfolg in der Schule entscheidend sind, meinen die Forscher. Hinter dem Jargon der Neuropsychologie verbirgt sich eine Reihe von Fähigkeiten: die Kontrolle von Impulsen, die Steuerung der Aufmerksamkeit, das Behalten und Verwenden von Information sowie die Fähigkeit, flexibel auf neue Situationen reagieren zu können. Die Entsprechung im Gehirn befindet sich im präfrontalen Cortex.

Wie Diamond und ihre Kollegen betonen, sagt der EF-Grad mehr über die Schulreife von Kindern aus als etwa Intelligenztests oder reines Wissen. Eine gute Selbstkontrolle und hohes Aufmerksamkeitsvermögen im Vorschulalter hänge mit den späteren Erfolgen in allen schulischen Bereichen zusammen. (...)

Wer mit drei oder vier Jahren bei diesen Fähigkeiten nachhinkt, leide später eher an Hyperaktivität (ADHD) und anderen Aufmerksamkeitsstörungen- was speziell in den USA oft mit Medikamenten zu therapieren versucht wird.

Dass es auch anders geht, beweist die Untersuchung von Adele Diamond und ihren Kollegen. Sie haben die Fähigkeiten von 147 fünfjährigen Kindern aus eher niedrigen Sozialschichten untersucht - geringere Selbstkontrolle gilt hier als Indikator -, die zuvor in zwei Gruppen geteilt worden waren.

Die erste hatte bereits ein bzw. zwei Jahre Vorschule hinter sich, wobei auf die Förderung der "Exekutiven Funktionen" besonders Wert gelegt wurde, die zweite nicht. (...)

Das Ergebnis der Studie: Eine Übung, bei der es darum ging, abstrakte Regeln im Gedächtnis zu behalten, lösten die EF-trainierten Kinder signifikant besser als ihre Altersgenossen.

Bei einem Test, der die Konzentration und Aufmerksamkeit überprüfte, waren 65 Prozent der Antworten aller ungeschulten Kinder korrekt, aber 85 Prozent aller geschulten.

Der Schluss der Forscher in ihrer Studie: "Manche glauben, dass die Vorschulzeit zu früh ist, um Exekutive Funktionen zu verbessern. Es ist aber möglich, sie können bei Vier- oder Fünfjährigen verbessert werden, die in ganz normale öffentliche Schulen gehen und von normalen Lehrern unterrichtet werden."

Mit dem Einsatz ihrer Methoden, die keine zusätzlichen Kosten bringen, könnten gleich drei Ziele erreicht werden: die Schulleistung in späteren Jahren könnte verbessert, weniger ADHD-Patienten produziert und nicht zuletzt der Abstand im Schulniveau zwischen Kindern aus reicheren und ärmeren Familien reduziert werden. (...)
 
Die Studie "Preschool Program Improves Cognitive Control" ist in "Science" (Bd. 318, S. 1387; Ausgabe vom 30.11.07) erschienen.
Quelle: http://www.sciencemag.org/cgi/content/short/318/5855/1387

   
Eingestellt von*:   Eike Rappmund
Zugeordnet: PsychotherapieKategorieVerhaltenstherapie
   
   


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