| |
von Eike Rappmund
Keine Disziplin zuvor hat es je geschafft, ein derart differenziertes Beschreibungsbild innerpersönlicher Prozesse zu entwickeln, wie das Neurolinguistische Programmieren, oder kurz: NLP. So bietet das NLP eine nahezu unerschöpfliche Vielzahl an Andockpunkten für bestehende Formate und Disziplinen und bietet sich förmlich an, weiter entwickelt zu werden. So wie schon seit jeher.
Einige Vorreiter hierfür gibt es schon. Ob es Byron Katie´s „The Work“ ist, oder die Arbeit mit Magic Words, ob es Brandon Bays Angebote auf der „Journey“ sind, oder die vielen verdienstvollen Arbeiten und interdisziplinären Entwicklungen von systemischer Lehre, moderner Hypnose, Gestalt oder Ähnlichem.
Vieles von dem, was aus dem pragmatischen Quell der NLP, das sich dank Richard Bandler und Jon Grinder effizienter entwickeln konnte als die Mutterdisziplinen, aus denen sie modelliert wurden, ist zu diesen wieder zurückgeflossen. Auch wenn auch dann nicht mehr als NLP ausgewiesen.
Wird an der einen Front engagiert diskutiert, ob der soziale Konstruktivismus, auf dessen Basis nicht nur die NLP sich gründet, dank moderner Erkenntnisse der Hirnforschung nicht längst schon überholt sei, scheint sich eine anderen Seite nicht viel darum zu kümmern, und forscht, entwickelt und gestaltet unbeirrt auf den Schwingen des pragmatischen Entdeckergeistes der 70er Jahre mutig weiter.
Gemäß dem Motto: „Gut ist, was funktioniert“ wird das NLP zur Chefsache deklariert und müht sich, neben personenorientierten Vermarktungsstrategien der KnowHow Träger, nun auch selbst in Business und persönlichen Veränderungsprozessen, auch als effiziente Methode der Veränderungsarbeit wahrgenommen zu werden.
Nach einer Studie des Corporate Leadership Council (CLC) , in der Managementstrategien zur Leistungssteigerung von Mitarbeitern untersucht wurden, stellte sich als wichtigster Faktor das informelle Feedback, gefolgt von Risikobereitschaft, ressourcenorientiertem Feedback, Transparenz und offener Kommunikation heraus.
Die Fähigkeit, über Sprache gewünschte und im wirtschaftlichen Kontext auch notwendige Ergebnisse anzuleiten, könnte klarer nicht bestätigt werden. Wo Fähigkeit zur Notwendigkeit wird, findet die NLP offene und interessierte Ohren. Seit dem Berater und Coaches vermehrt auch ihre Quellen angeben, die Methoden benennen und transparent ihre Fähigkeiten etikettieren, steigt die Nachfrage nach erprobten und effektiven Möglichkeiten lösungs- und ressourcenorientierte Arbeit, wie die NLP sie anbietet. Der einst eher als mystische Manipulation duster angestrichenen Methodenmix entwickelt sich dank stark wachsendem Interesse und deutlicher Benennung zu einem hell erstrahlenden Angebot, für effektive Veränderungsarbeit.
Gerade weil die NLP ein differenziertes sprachliches Beschreibungsmodell anbietet, wie bisher keine Disziplin zuvor, Prozesse inhaltsfrei beschreibbar und damit gestaltbar macht und somit beliebig in jeglichen Kontext adaptierbar ist, stellt sich für mich weniger die Frage, ob der soziale Konstruktivismus oder die moderne Hirnforschung mehr oder weniger die tatsächlich Grundlage sein können, vielmehr bietet sich m.E. eher an zu fragen, wie erfolgreiche Entwicklungen und Entdeckungen mutiger und neugieriger Therapeuten, Berater und Coaches im Dienste des Klienten weiter entwickelt werden können. Das hierzu alle Disziplinen, sowie Forschung und Wissenschaft entsprechende Beiträge leisten, dient glücklicherweise schlussendlich der Bereicherung, auch wenn Sequentiell ein anderer Eindruck entstehen kann.
Das so etwas bereichernd funktionieren kann und zu einer der wichtigsten Wachstumstendenzen in der NLP wird, ist beispielsweise die Erweiterung des NLP um systemische Sichtweisen, wie Bernd Isert das vormacht, oder in der Kombination mit der Kinesiologie, wie Paola Paruschke seit numehr über 15 Jahren erfolgreicht lehrt.
Was in den engagierten Arbeiten von Dr. Gunther Schmidt zur hypnosystemsichen Arbeit ansteckt, ist an den Ufern der NLP langsam am Kommen. Die Dynamik zwischen Modell und Modellierendem scheint in eine neue Runde getreten zu sein. Längst sind es nicht mehr die Urgestalten wie Perls, Satir oder Erickson, die für das Entwicklungsstreben in der NLP herhalten müssen. Heute bieten sich eher von Kibed & Sparrer, Schmidt und Stierlin, Katie & Bayes, (und viele Andere) als Ressourcen für konsequente Entwicklungsmodelle an.
Wenn eine Disziplin im Markt der Veränderungsarbeit nicht nur das Potential, sondern auch die Möglichkeiten hat, wertvolle Impulse für diese Zusammenschau zu liefern, dann stehen für die NLP die Karten gut. Bleibt es aber so, wie es scheint, dass das Muster auch in den modernen Kombinationen und innovativen Entwicklungen sich weiter im Zuge der Selbstbehauptung abgrenzen und in die selbstverliebte Eigendrehung vorstellen muss, werden wohl noch länger willige und mutige Menschen auf dem Weg ihrer engagierten Lebensgestaltung auf Angebote warten müssen, die nur ein Schein von dem sind, was sie sein könnten.
|