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Minderheiten: Bessere Noten durch Selbstbewusstsein 08.05.2007
  Schlechte Schulnoten haben keineswegs nur mit mangelnder Begabung, sondern auch mit negativen Klischees und mangelndem Selbstwert zu tun.

 

US-amerikanische Psychologen fanden nun heraus, dass bereits eine einmalige Steigerung des Selbstwertgefühls die Semesterleistung deutlich verbessert.

Forscher der University of Colorado ließen afroamerikanische Schüler zu Beginn des Schuljahres eine einfache Schreibübung absolvieren, die ihre Identität festigen sollte. Die Übung hatte einen deutlichen Effekt: Sie reduzierte den Leistungsunterschied zwischen der ethnischen Minderheit und dem Rest der Klasse um 40 Prozent.

Ganz generell erzeugt Schule bei Kindern erheblichen Leistungsdruck. Wie man weiß, kann sich dies negativ auf die Leistung auswirken. Zusätzlicher Stress entsteht für Minderheiten durch Stereotype. Beispielsweise dann, wenn einer Gruppe Eigenschaften wie etwa geringere Intelligenz zugeschrieben werden.
Äußere Vorurteile beeinflussen nämlich die Selbstwahrnehmung. Die Angst, gewissen Mustern zu entsprechen und diese dadurch zu bestätigen, führt zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung - und so zu tatsächlich schlechteren Ergebnissen bei Prüfungen.
Menschen aus anerkannten sozialen Gruppen hingegen haben grundsätzlich einen Bonus. Sie laufen kaum Gefahr, ihre Fähigkeiten in Frage zu stellen und können unbelasteter an Aufgaben herangehen. Ganz anders bei Minderheiten: Der permanente Kampf gegen negative Selbstbilder erzeugt Stress, der die Leistung mindert.

Um dem entgegen zu wirken, konzipierten die Psychologen eine gezielte soziale Intervention, die der Minderheit helfen sollte, ohne dem Rest der Klasse zu schaden.
Das Experiment wurde in zwei aufeinander folgenden Jahren mit Schülern der siebten Schulstufe durchgeführt. (...) Am Experiment nahmen etwa 119 afroamerikanische Schüler und 124 Schüler, die keiner Minderheit angehören, teil. Ohne Wissen der Lehrer wurden sie in Gruppe und Kontrollgruppe geteilt. Durchgeführt wurde der Test zu Beginn des Wintersemesters, wo der Stress meist besonders hoch ist.

Die Übung bestand darin, in 15 Minuten einen kurzen Text darüber zu verfassen, was den Schülern im Leben wichtig ist oder was sie besonders gut können. Die meisten schrieben über Familie und Freunde, aber auch über sportliche Fähigkeiten oder andere Begabungen.
Die Schüler der Kontrollgruppe mussten über jene Dinge schreiben, die für sie den geringsten Wert aufweisen und über die Gründe, warum diese dennoch für andere wichtig sein könnten.
Ziel der Aufgabe war die Selbstbestätigung der benachteiligten Kinder. Sie sollten am Ende das Gefühl haben, gute und fähige Menschen zu sein und so weniger Stress aufgrund negativer Stereotypen entwickeln.

Bei den Prüfungen am Ende des Semesters schnitten die in ihrem Selbstwert bestätigten Schüler deutlich besser ab als jene der Kontrollgruppe. Auf einer vierteiligen Notenskala waren sie im Durchschnitt 0,3 Punkte besser als ihre nicht im Selbstwert gestärkten Kollegen, am meisten profitierten die schlechteren Schüler von der Maßnahme.
Die Aufgabe hatte keinerlei Auswirkungen auf die Ergebnisse jener Kinder, die keiner Minderheit angehören. Dadurch verringerte sich insgesamt der Leistungsabstand zwischen den Gruppen. Eine Wiederholungsstudie im Jahr darauf bestätigte die Resultate.

Für die signifikanten Effekte dieser doch sehr kleinen Intervention gibt es laut Forschern einen Hauptgrund: Der negative Kreislauf zwischen psychologischer Bedrohung und schlechter Leistung konnte unterbrochen werden.
Dadurch wurde gezeigt, dass intellektuelle Leistungen nur durch Veränderungen in der psychologischen Selbstwahrnehmung verbessert werden können. Weitere Studien sollen die Wirksamkeit derartiger Maßnahmen auf breiterer Ebene untersuchen, auch dahingehend, ob frühere oder wiederholte Interventionen nicht noch bessere Ergebnisse erzielen könnten.

Die Studie "Reducing the Racial Achievment Gap: A Social-Psychological Intervention" von Geoffrey L. Cohen et al. ist in "Science" (Bd.313, S.1307-1310, 1.September 2006) erschienen.
Quelle: http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/313/5791/1307

   
Eingestellt von*:   Eike Rappmund
Zugeordnet: Lern- und ArbeitstechnikenKategorieSelbst- und Menschenkenntnis
   
   


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